Exkurs: Regionale Sortenvielfalt

Im Obstsortengarten wachsen neben einigen jüngeren, vor allem alte, regionaltypische und lokal bedeutsame Sorten. Viele dieser Obstsorten sind durch Zufall entstanden und heißen daher „Zufallssämlinge“.

Typische Beispiele für Zufallssämlinge sind in unserer Region die „Lotemer Suure“, eine Sauerkirsche, und die Huetjansbirne. Die Huetjansbirne wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einem Wald westlich von Mönchengladbach gefunden und vom Finder Joannes Hortmanns in seinen Obstgarten umgepflanzt. Von dort breitete sie sich in den nächsten 200 Jahren weiter aus.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Bedarf an Obst in der Regel vor Ort, d. h. in der näheren Umgebung von Ortschaften, Dörfern und Städten gedeckt. Durch diesen lokalen Obstanbau entstanden in den vergangenen Jahrhunderten viele lokale und regionale Obstsorten. Sie verfügten zum Teil über recht unterschiedliche Eigenschaften. Dazu zählten ihr Geschmack, ihre Lagerfähigkeit, die Erntemenge, die Ansprüche der Bäume an Boden und Klima und ihre Unempfindlichkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten. So hatte die Existenz verschiedener Sorten ihre Berechtigung.

Viele Regionalsorten sind der Obstleidenschaft des Fürsten Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck zu verdanken. Anfang des 19. Jahrhunderts ließ er zahlreiche Obstsorten aus dem In- und Ausland in den Gartenanlagen um Schloss Dyck anpflanzen. Die Besten wurden in der schlosseigenen Baumschule vermehrt und gelangten so auch in das Umland. Drei dieser Sorten, nämlich die „Dycker Schmalzbirne“ und die Apfelsorten „Nimmermür“ und „Degeers Renette“ finden sich bei uns in Knechtsteden wieder.

Der „Nimmermür“ wurde seit 1840 auf Schloss Dyck angebaut. Diese Apfelsorte verdankt ihren Namen ihrer langen Haltbarkeit. Die Äpfel werden „nimmer mürbe“, also nicht mehlig. Ab der Ernte können sie bis in den Monat Juni des darauffolgenden Jahres gelagert werden. 

Durch das gezielte Aussäen von Samen bekannter, guter Sorten versuchte man neue, noch bessere Sorten zu erhalten. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Apfelsorte Henzens Parmäne, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Oberpfarrer Henzen aus Sämlingen der Winter-Goldparmäne ausgelesen wurde.

Wenig später begann Diedrich Uhlhorn in unserer Region mit der gezielten Kreuzung, aus der eine ganze Reihe teils herausragender Obstsorten hervorging. Ein Beispiel ist die Goldrenette Freiherr von Berlepsch, welche die guten Eigenschaften ihrer Elternsorten Ananasrenette und Ripston Pepping vereint. Uhlhorn verdanken wir auch die Apfelsorten Creo und Zuccalmaglios Renette sowie die Grevenbroicher Knorpelkirsche und Uhlhorns Wunderkirsche, um nur einige zu nennen.

Zur Obstsortenvielfalt befindet sich am äußersten Ende dieser Obstwiese eine Infotafel. Um zur nächsten Audiostation zu gelangen, gehen Sie nach links bis zur asphaltierten Straße. Dort biegen Sie rechts auf den Bürgersteig ab und gehen entlang der kleineren Obstwiese in Richtung Torhaus.